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Effektives Zeitmanagement für Teilzeitkräfte – Experten Praxistipps

18. November 2020

Der Tag hat 24 Stunden und auch für Teilzeitkräfte hat er nicht mehr als 24 Stunden. In dieser Zeit soll die Karriere nicht zu kurz kommen, die Kinder wollen versorgt werden und der Haushalt ist auch noch da. Manchmal gibt es noch einen Elternteil, der pflegebedürftig ist oder zumindest regelmäßig besucht werden möchte. Und überhaupt, wann soll man da noch Zeit für ein Privatleben finden? Es ist kein Wunder, dass sich viele Teilzeitkräfte überfordert, gestresst und ständig schuldig fühlen, nicht alles perfekt unter einen Hut zu bringen. Gerade an Teilzeitkräfte werden Erwartungen von beruflicher als auch privater Seite herangetragen, die schnell vergessen lassen, dass man die Hälfte der Zeit noch andere Verpflichtungen hat. Eine Doppelbelastung, die starken Stress verursachen kann. Dabei muss es so nicht ablaufen. Anna Kühr, Geschäftsführerin von „Pro Integer“, konzipierte fünf Praxistipps, wie man es schaffen kann, in Teilzeitanstellung die Zeit effektiv zu managen. Vor über 20 Jahren begann sie damit, Tätigkeiten zwischen heterogenen Akteuren in der Wirtschaft zu konzipieren und zu moderieren und kennt daher die Tricks und Kniffe erfolgreicher UnternehmerInnen. In ihren Coachings und Seminaren legt sie besonders großen Wert darauf, Räume des Gelingens und Agilität zu schaffen, um Ressourcen zu sparen, Stress zu reduzieren und Raum für mehr Wohlbefinden im Leben zu schaffen.

Anna Kühr, Geschäftsführerin von „Pro Integer“

Praxistipp 1: Unsere Erwartungen an uns selbst überdenken

Oft glauben wir, dass die anderen vieles von uns erwarten. Allerdings sind vor allem wir selbst diejenigen, die diese Forderungen an uns stellen. Die Kinder nehmen es uns nicht übel, wenn kein frisch gekochtes 3-Gänge-Menü auf dem Tisch steht.

Wir selbst haben den Anspruch, weil wir „nur“ in Teilzeit arbeiten, auch noch alles andere perfekt hinzubekommen. Das funktioniert schon rein rechnerisch nicht: Auch mit einer 50 % Stelle kann ich nicht noch 100 % Eltern sein, 100 % Haushalt machen plus 100 % Angehörige versorgen. Niemand ist ein 350 % – Mensch, es sei denn Sie schaffen es, sich zu klonen.

In der Konsequenz bedeutet das, bewusst Abstriche zu machen, um uns selbst zu entlasten. Warum nicht einmal in einer Familienkonferenz gemeinsam überlegen, worauf alle verzichten können? Sie werden staunen, wie vieles gar nicht so wichtig ist.

Praxistipp 2: Die Aufmerksamkeit bewusst lenken

Machen Sie sich bewusst, WAS Sie alles leisten: Sie managen die Anforderungen im Job und der Familie, mit Freunden und was sonst noch Ihren Alltag bestimmt. Nehmen Sie wahr, was Sie leisten, und schauen Sie nicht auf die Dinge, die Sie nicht mehr schaffen. Seien Sie stolz auf das, was Sie tagtäglich leisten! Hier ein Video für alle mit Familie, die das ab und zu vergessen: Der weltweit härteste Job.

Praxistipp 3: Den NEIN-Muskel trainieren

Um unser Leben so zu gestalten, wie wir es uns wünschen, müssen wir immer wieder üben „Nein“ zu sagen. Bevor Sie zu irgendeiner Verpflichtung ja sagen, überlegen Sie genau, ob Sie damit Ihre Zeit verbringen möchten, ob es etwas ist, wofür Sie Ihre Lebenszeit einsetzen möchten und ob es Ihnen Freude bereitet. Fragen Sie sich: Womit verbringe ich meine Zeit? Entscheiden Sie sich, womit Sie nicht ihre Zeit verbringen möchten.

Viele Teilzeitkräfte stehen vor der Aufgabe Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren

Praxistipp 4: Energiequellen finden

Meine Erfahrung ist: Wenn es der Mutter oder dem Vater gut geht, geht es meistens der ganzen Familie gut. Das ist mir immer wieder bestätigt worden. Das heißt: Das Beste, was Sie für Ihre Lieben tun können, ist, dass Sie für sich selbst gut sorgen. Fragen Sie sich:

  • Woraus schöpfe ich Kraft und Energie?
  • Wobei regeneriere ich am besten?
  • Welche Oasen schaffe ich für mich?

Manchmal sind das kleine Dinge, wie sich einmal am Tag 15 Minuten ungestörte Zeit zu nehmen. Manchmal heißt das für ein Wochenende mit FreundInnen wegzufahren oder morgens zehn Minuten früher aufzustehen, um in Ruhe in den Tag starten zu können. Suchen Sie nach Ritualen, die Ihnen gut tun und bauen Sie diese fest in Ihren Alltag ein. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Energietanks wieder aufgefüllt werden. Nur dann haben Sie auch Energie, die Sie abgeben können.

Praxistipp 5: Eigene Erfolge feiern

Seien Sie sich Ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen bewusst!

  • Sie sind entscheidungsfreudig: Eltern sind es gewohnt, kurzfristig auf Veränderungen zu reagieren. Ständig treten Situationen auf, die den sorgsam geplanten Tag durcheinanderbringen. Sie haben gelernt, schnell Entscheidungen zu treffen.
  • Sie managen Konflikte: Als Eltern werden Sie oft zur Regelung von Konflikten herangezogen. Sie schlichten Streit unter Geschwistern oder Spielkameraden oder hören geduldig und aufmerksam zu, wenn ein Kind Kummer hat.
  • Sie beherrschen Selbstorganisation und Zeitmanagement: Die vielfältigen Aufgaben, die sich Ihnen im „Unternehmen Familie“ jeden Tag aufs Neue stellen, erfordern ein hohes Maß an Selbstmanagement und Organisationstalent.
  • Sie sind stressresistent und belastbar: Als Eltern haben Sie gelernt, mehrfachen Belastungen ausgesetzt zu sein und einen kühlen Kopf zu bewahren.
  • Durch Corona haben wir gelernt, wie wichtig die Fähigkeit ist mit Ungewissheit umzugehen. Eltern wissen, dass es nicht möglich ist ein Leben mit Kindern zu kontrollieren. Sie haben schon lange die Illusion der Kontrolle aufgegeben und die Kompetenz erworben mit Ungewissheit umzugehen

Dies alles sind Kernkompetenzen, wie sie auch von Managern gefordert werden. Für Eltern sind diese selbstverständlich, auch wenn Ihnen das nicht immer klar ist. Sie brauchen sich also vor nichts und niemandem verstecken! Sie sind hoch qualifiziert. Kinder sind ein echter Booster für die Persönlichkeitsentwicklung.

 

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