HR-Wissen

Presserückblick Januar 2020 zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie

31. Januar 2020

Moderne Arbeitszeitmodelle. Sie waren diesen Monat eines der Lieblingsthemen in der Presse. Insbesondere zu Beginn diesen Jahres gab es unzählige Meldungen darüber, dass die finnische Ministerpräsidentin eine viertägige Arbeitswoche mit sechs Arbeitsstunden pro Tag einführen möchte.
Sanna Marin ist der Meinung, die Arbeitnehmenden hätten es verdient, mehr Zeit mit ihren Familien, Angehörigen und Hobbies zu verbringen. Als Folge wurden kurz nach Jahresanfang viele Kommentare und Artikel veröffentlicht, die diesen Vorschlag diskutierten, Ratschläge für die deutschen Regierenden und Unternehmen beinhalteten oder Studien wiedergaben, wie gut sich moderne Arbeitszeitmodelle auf die Betriebswirtschaft auswirken würden.

Bei der ganzen Euphorie wurde jedoch teilweise die Tatsache außer Acht gelassen, dass es sich bei der Forderung der jungen finnischen Ministerpräsidenten zunächst lediglich um ein geplantes Vorhaben und noch nicht um eine konkrete Regierungsanweisung handelt. Trotzdem wollen auch wir uns in diesem Artikel einmal der Euphorie anschließen und die Inhalte der interessantesten Artikel und Studien zu diesen Themen kurz wiedergeben.

Auswirkungen auf die Betriebswirtschaft

So hat zum Beispiel ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung thematisiert, wie sinnvoll eine kurze Arbeitswoche aus unternehmerischer Sicht wirklich sei. Er zitiert die Betriebswirschaftsprofessorin Maike Andresen von der Universität Bamberg, die erklärt, dass verkürzte Arbeitszeiten weniger krankheitsbedingte Ausfälle und geringere Fehlerquoten mit sich brächten. Das wiederum hätte positive Auswirkungen auf den Umsatz eines Unternehmens. Jedoch müsse natürlich beachtet werden, dass die Arbeitnehmenden deutlich mehr Arbeit in einer kürzeren Zeit schaffen müssen. Bezüglich letzterem könnte überlegt werden, ob man dieser Konsequenz nicht mit Maßnahmen wie Home Office und flexiblen Arbeitszeitmodellen entgegenwirken kann.

„Durch verkürzte Arbeitszeiten gibt es weniger krankheitsbedingte Ausfälle und geringere Fehlerquoten, was zur Steigerung des Umsatzes beiträgt“

Prof. Dr. Maike Andresen, Universität Bamberg


Moderne Arbeitsmodelle bringen auch Herausforderungen mit sich

Zu den Themen Home Office und flexiblen Arbeitszeiten wurde auch im Januar wieder eine neue Studie veröffentlicht. Der Initiator dieser Studie war das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Die Ergebnisse der Studie zeigen erneut die grundsätzlich positive Haltung aller Beteiligen zum Thema mobilen Arbeiten. Zugleich wird aber darauf hingewiesen, dass es für die Umsetzung zwingend notwendig sei, durch Führungskräfte und Mitarbeitende familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Auch müsse man die neuen Herausforderungen beachten, die das mobile Arbeiten mit sich bringt. Insbesondere die Sorge der Mitarbeitenden, dass man durch die Nutzung der neuen Flexibilität Nachteile im Unternehmen selbst erhalte, muss durch eine geeignete Kommunikation seitens der Arbeitgebenden gemindert werden.

Mobilarbeitende arbeiten wöchentlich im Schnitt vier Stunden mehr

Unter dem Aspekt, dass die Mitarbeitenden hoffen, ihren Beruf durch mobiles Arbeiten besser mit familiären oder sonstigen persönlichen Angelegenheiten vereinbarenden zu können, ist jedoch die Aussage eines weiteren Artikels aus diesem Monat sehr interessant: Vergleicht man die durchschnittlichen Wochenstunden von Mitarbeitenden in Mobilarbeit und im Büro, so fiele auf, dass die Mobilarbeitenden im Schnitt wöchentlich vier Stunden mehr arbeiten.

Mobiles Arbeiten soll zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen. Interessanterweise abreiten Leute im Home Office durchschnittlich vier Wochenstunden mehr.

Unbegrenzte Urlaubstage als Lockmittel

Eine andere Maßnahme, die im Zuge von Diskussionen über modernere Arbeitszeitenmodelle immer wieder genannt wird und auch zur Familienfreundlichkeit der Unternehmen maßgeblich beitragen würde, ist die Einführung unbegrenzter Urlaubstage. Ein Artikel des Spiegels griff diese Diskussion ebenfalls auf und erklärte, dass immer mehr Unternehmen versuchen mit unbegrenzten Urlaubstagen neue Fachkräfte anzulocken. Jedoch zeigen Praxisbeispiele, dass Mitarbeitende, obwohl sie das Prinzip grundsätzlich für gut befinden, am Ende trotzdem eher an den in Deutschland vorgegeben Urlaubstagen orientieren. Trotzdem dienen Regelungen wie diese als Vertrauensbeweis seitens der Führungskräfte gegenüber ihren Mitarbeitenden.

Moderne Arbeitszeitmodelle als politisches Thema

Nicht nur die Presse beschäftigte sich letzten Monat viel mit dem Thema der Arbeitszeitenregelungen, auch im politischen Bereich war man von der Meinung der finnischen Ministerpräsidentin inspiriert. So erklärte beispielsweise die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, dass es auch in Deutschland leicht umsetzbar wäre, Vollzeitarbeitende ihren Arbeitsumfang aus einem Zeitkorridor zwischen 30 und 40 Wochenstunden selber aussuchen zu lassen. Zudem forderte sie ein Rechtsanspruch auf Home-Office. Von der SPD erhielt sie diesbezüglich Zuspruch, wohingegen die FDP diesen Maßnahmen eher kritisch entgegensteht.

Die Stimmen aus dem Bundesfamilienministerium forderten noch weitaus mehr Verbesserungen im Bereich der Arbeitszeitenregelungen, um den Beschäftigten hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter entgegen kommen zu können. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind Familienfreundlichkeit und gute Arbeitsbedingungen für Unternehmen ein Wettbewerbsvorteil beim Suchen und Halten von Fachkräften“, wirbt Familienministerin Dr. Franziska Giffey.

Interessant sind die Meinungen aus der Politik jedoch vor allem vor dem Hintergrund, dass die Jobs sowohl in der Bundespolitik als auch in der Kommunalpolitik alles andere als familienfreundlich sind.

Einmal kurz zusammengefasst

Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin hat mit ihrer Forderung nach einer kürzeren Arbeitswoche in Finnland eine ordentliche Diskussion in Deutschland anstachelt. Die Presse thematisierte daraufhin nicht nur die kurze Arbeitswoche an sich, sondern holte auch nochmal die altbekannten Themen wie mobiles Arbeiten und flexible Zeiteinteilung hervor. Auch im politischen Segment wurde darüber nachgedacht, wie man Arbeitnehmenden entgegenkommen kann, sodass Deutschland insgesamt familienfreundlicher würde. Wir bleiben also gespannt, ob die Debatte im nächsten Monat weitergeführt wird, oder ob sie genauso schnell abebbt wie sie entstanden ist.

Die einzelnen Artikel und Studien sind hier zu finden:

Sanna Marin spricht über viertägige Arbeitswoche mit sechs Stunden pro Tag
Eine knappe Wiedergabe über die Äußerung der finnischen Ministerpräsidentin von der WELT

Kürzer, besser, glücklicher
Ein Bericht über den Sechs-Stunden-Tag in der Praxis und seine Vor- und Nachteile von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Führungskräfte sind gefragt
Eine Studie von der des Instituts der deutschen Wirtschaft über mobiles Arbeiten und die Familienfreundlichkeit von Unternehmen

Grüne, SPD und FDP verlangen flexiblere Arbeitszeiten
Ein Artikel der Presse Augsburg über die politischen Ansichten zum Thema

Familienfeindlicher Bundestag
Die Zeit berichtet darüber wie familienfreundlich die politische Arbeit wirklich ist

 

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