HR-Wissen

Entgegen den Fachkräftemangel – Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Krankenhaus

14. Januar 2020

Fachkräftemangel. Ein allgegenwertiges und viel diskutiertes Thema. Und doch gibt es kaum Ansätze für die Lösung dieses riesigen Problems. Insbesondere im Pflegebereich ist der Mangel an ausgebildeten Arbeitsplätzen jedoch so groß, dass die Auswirkungen nicht mehr nur noch intern bemerkbar sind. Dass der Fachkräftemangel besonders im Pflegebereich so groß ist, liegt auch daran, dass die Berufe in Hinsicht auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr unattraktiv sind. Der Hauptgrund dafür ist die Gestaltung der Arbeitszeiten: Schichtbetrieb und die Arbeit an Sonn- und Feiertagen lassen sich nicht gut mit den Öffnungszeiten von Kitas, Schulen und sonstigen Betreuungen kombinieren.

Es scheint ein Teufelskreis zu sein, während sich auf der einen Seite kaum noch jemand zu einer Pflegekraft ausbilden lässt, sinkt die Arbeitsmotivation derer, die schon im Dienst sind. Zu Teilen sogar so stark, dass sie ihre zukünftige Berufslaufbahn doch noch einmal überdenken.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Krankenhaus ist einer der Gründe für den dortigen Fachkräftemangel. Vereinbarkeitsthemen müssen daher in das Leitbild der Institutionen integriert werden.
Nicht nur die Fachkräftegewinnung, sondern auch die Fachkräftebindung ist ein Problem der Krankenhäuser

Vereinbarkeitsthema in Leitbild integrieren

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Krankenhaus zu verbessern ist also nicht nur für die Fachkräftegewinnung unabdingbar, sondern auch für die Fachkräftebindung. Das ist eine Aussage der aktuellen Ausgabe der Broschüre „Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Krankenhaus“, einer gemeinsamen Veröffentlichung des Bundesfamilienministeriums und der „Deutschen Krankenhausgesellschaft“. Beruf und Familie müsse nicht nur intern zum Thema gemacht werden, indem es beispielsweise in das Leitbild entsprechender Institutionen integriert wird, sondern auch nach außen kommuniziert werden.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie genauso wichtig wie das Gehalt

Eine Umfrage im Auftrag des BMFSFJ hat ergeben, dass den Fachkräften bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers seit Jahren die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mindestens genauso wichtig ist wie das Gehalt. Bewerber filtern also nicht mehr nur noch nach den bestbezahltesten Jobs, sondern auch nach denen, die ihnen genügend Zeit für ihr Familienleben zusichern. Ein Krankenhaus, das konsequente Maßnahmen in der Vereinbarkeitspolitik umsetzt, wird demnach mehr Bewerbungen erhalten.

Neben der Erhöhung eingehender Bewerbungen, so die Aussage des BMFSFJ, fördere eine betriebliche Vereinbarkeitspolitik auch arbeitsorganisatorische Impulse und Innovationen und verbessere nachhaltig Führungs- und Kommunikationskultur im Krankenhaus. Dies wiederum steigert die Zufriedenheit innerhalb der Institutionen. Eine höhere Arbeitsmotivation und weniger Fehlzeiten sind die positiven Folgen.

Führungskräfte müssen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Krankenhaus sensibilisiert werden. Nur so kann das Vereinbarkeitsthema kommuniziert werden.
Mit Maßnahmen im Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann Fehlzeiten entgegengewirkt werden.

Um die Institutionen in der Pflegebranche zu unterstützen, wurde im November 2018 das Pflegepersonal Stärkungsgesetz verabschiedet. Unter dem Namen „Sofortprogramm Pflege“ ist es Anfang Januar 2019 in Kraft getreten. Es soll die Krankenhäuser unter anderem dazu veranlassen, die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf für die Mitarbeitenden zu verbessern. Dafür erhalten sie finanzielle Unterstützung vom Bund. Eine längst überfällige Maßnahme. Aus vorhergehenden Studien des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war zu entnehmen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für 56% aller Eltern ein Problem darstellt. Innerhalb dieses Bereichs wird die Organisation der 85 Tage schulfreien Zeit als zweitgrößtes Problem genannt. Die besondere Belastung für Elternteile, die im Pflegebereich beschäftigt sind geht wiederum aus der dortigen Arbeitszeitgestaltung hervor.

Führungskräfte müssen sensibilisiert werden

Die Wünsche und Sorgen der Mitarbeitenden und potentiellen Bewerbern des Pflegedienstes sind also den Personalabteilungen in den Krankenhäusern bekannt. Und auch der Bund beteiligt sich seit diesem Jahr in Teilen daran, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Krankenhäusern zu verbessern. Warum also hakt es noch immer in der Umsetzung der richtigen Maßnahmen? Das liegt zu vor allem daran, dass viele Führungskräfte noch nicht ausreichend für dieses Thema sensibilisiert sind.

Letzteres ist eine weitere Aussage des Berichts vom Bundesfamilienministerium. Denn selbst wenn Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in das Leitbild eines Krankenhauses integriert sind, müssen sie auch von den Führungskräften kommuniziert und vorgelebt werden. Im besten Fall lassen die Führungskräfte die Mitarbeitenden in der Findung und Organisation von Maßnahmen mitreden. So könne man diese direkt an die Bedürfnisse der Angestellten anpassen, die Identifikation mit dem eigenen Haus steigern und intern einmal mehr auf die Wichtigkeit des Themas hinweisen.

Aktiv Maßnahmen ergreifen

Unter die Partner von voiio zählen mittlerweile schon viele Krankenhäuser und Krankenhausgesellschaften, um genau das zu verhindern. Dort wurde die Dringlichkeit des Themas erkannt und konkrete Maßnahmen in Richtung mehr Vereinbarkeit umgesetzt. Durch das Pflegepersonal Stärkungsgesetzes werden die Institutionen dabei finanziell durch den Bund unterstützt. So erleichtert die Kooperation zwischen den Krankenhäusern und voiio den mitarbeitenden Eltern die Zeit, die ihnen häufig am meisten Kopfzerbrechen bereitet: die Schulferien ihrer Kinder. Die positiven Effekte sind geringere Fehlzeiten sowie eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit.

Diese Krankenhäuser präsentieren letztendlich eine der Möglichkeiten, wie es machbar ist, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, indem sie auf ihre Mitarbeitenden im Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie zukommen. Denn wird dieser Bereich in Zeiten des Fachkräftemangels unterschätzt, wird die Zufriedenheit der Mitarbeitenden weiter sinken und die Attraktivität der Branche für potentielle nachkommende Fachkräfte gänzlich verschwinden.

Für weitere Informationen:

Falls Sie sich noch eingehender über das Thema informieren möchten, finden sie in der Broschüre „Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Krankenhaus, Aus der Praxis für die Praxis“ vom Bundesfamilienministerium und der Deutschen Krankenhausgesellschaft viele Praxisbeispiele.

 

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