HR-Wissen

Rente – Warum Unternehmen und Berufstätige das Thema jetzt angehen sollten

23. April 2021

Beim Thema Rente denken viele Berufstätige, dass noch ausreichend Zeit vergeht, bis sie sich dem Thema zuwenden müssen. Jedoch sollte das Thema Rente relevant für alle Altersklassen sein und sich frühzeitig, altersentsprechend damit auseinandergesetzt werden. Denn bei der Rente geht es nicht nur um die Gestaltung der freien Zeit nach dem Berufsaustritt, sondern auch um die rechtzeitige Vorsorge und die Betrachtung der finanziellen Gegebenheiten danach. Nur zu gerne wird das Thema zeitlich vor sich hergeschoben.

Zwischen Vorfreude und Zukunftsangst – die Wahrnehmung der Rente

Die individuellen Gedanken und Wahrnehmungen lassen die Berufstätigen mit verschieden Gefühlen der Rente gegenübertreten. Sei es zum einen Überforderung: Wie eine repräsentative Studie von Aon aus dem Jahr 2019 herausfand, sehen rund zwei Drittel der beschäftigten Personen die Themen Rente und Altersvorsorge als komplex an. Ebenso komplex ist häufig die individuelle Einstellung zur arbeitsfreien Zeit: Angst, Vorfreude und zugleich Unsicherheit.

Quelle: Repräsentative Aon Studie 2019

Die täglichen Routinen, gewohnten Tagesstrukturen und Aufgaben fallen weg. Gleichzeitig jedoch freuen sich viele Berufstätige auf die Zeit, in der sie sich Hobbys, lang ersehnten Träumen und der Zeit mit der Familie widmen können. Dabei ändert sich zugleich auch die finanzielle Lage. Doch wie können sich Mitarbeitende am besten auf die Veränderung vorbereiten und was können Unternehmen tun, um sie dabei zu unterstützen?

Der Einfluss des demografischen Wandels auf den finanziellen Aspekt der Rente

Zusätzlich zu den Herausforderungen, die mit den Veränderungen des Berufsendes einhergehen, kommt hinzu, dass der demografische Wandel in der Bevölkerung immer präsenter wird. In Deutschland sinkt die Zahl der jungen Menschen, während gleichzeitig die Anzahl der älteren Menschen ansteigt. Als Folge dessen erhöht sich die Zahl der Erwerbspersonen, die in den Ruhestand gehen, während es immer weniger junge Menschen gibt, die ihren Platz einnehmen können. Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts werden nach der Erwerbspersonenvorausberechnung von 2020, zu Beginn des kommenden Jahrzehnts nur ca. 1,1 Millionen Erwerbspersonen zwischen 15 und 19 Jahre alt sein, wohingegen 1,5 bis 2,4 Millionen Erwerbspersonen zwischen 65 und 74 Jahre alt sein werden. Der demografische Wandel hat zur Folge, dass sich der Altersaufbau verschiebt und vermehrt ältere Erwerbspersonen auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sein werden.

Die zunehmende Verschiebung des Altersaufbaus auf dem Markt und die höhere Lebenserwartung hat unweigerlich Einfluss auf den Generationenvertrag und das darin ablaufende Umlageverfahren. Dieses Verfahren bringt die gesetzliche Rente auf. Die Beitragszahler können den Beitrag für die steigende Anzahl an Personen im Ruhestand nicht mehr erwirtschaften. Infolgedessen wird die gesetzliche Rente momentan und in Zukunft stetig geringer ausfallen. Für den ein oder anderen Mitarbeitenden kann die Ungewissheit über die finanzielle Lage im Ruhestand Sorgen bereiten.

Quelle: Prognose zur Entwicklung des Rentenniveaus von 2017 bis 2060 von Ginmon

Externer Veränderung folgt interner Wandel

Die externe Veränderung auf dem Markt und der steigende Altersdurchschnitt der Berufstätigen wirkt sich unweigerlich auf die Arbeitswelt innerhalb des Unternehmens aus. Die beschäftigten Personen stellen andere Ansprüche an die Unternehmen in Bezug auf Vereinbarkeit, Wertschätzung und Unterstützung. Unternehmen müssen vermehrt auf die Lebenslagen und Lebensphasen eingehen, die den demografischen Wandel reflektieren. Die Relevanz der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in allen Lebenslagen steigt und muss vom Unternehmen erkannt und genutzt werden. Besonders der finanzielle Aspekt spielt vermehrt eine Rolle, da dies eine große Ungewissheit und Unwohlsein mit sich bringt. Den beschäftigten Personen muss entgegengekommen und ihrer Lebensphase entsprechend Unterstützung geboten werden. Die aufkommenden Bedenken werden vor allem mit in den Berufsalltag gebracht. Im Sinne der Mitarbeitenden und des Unternehmens sollten diese Gedanken angegangen und gemeinsam gelöst werden. Mit Informationen zur Unterstützung bei Fragen wie: „Was steht mir als Rente zu?“, „Welche Möglichkeiten bieten sich nach meinem Berufsende?“ oder „Wie kann ich mich darauf vorbereiten?“ können Unternehmen ihre Mitarbeitenden emotional stärken.

Die Mitarbeitenden müssen in jeder Lebenslage und Lebensphase mit Informationen unterstützt werden

Hilfestellung für beschäftigte Personen durch die Unternehmen

Da die Rente größtenteils als ein sehr komplexes Thema angesehen wird, wünschen sich Berufstätige zunehmend, dass sie vom Unternehmen mehr unterstützt werden. Das kann durch einen Guide oder Informationsflyer, gezielte Entscheidungshilfen oder Programme erfolgen. Eine Online-Studie von Aon zum Thema „Financial Wellbeing“ hat hervorgebracht, dass sich 71,8 % der 18 und 19-Jährigen sowie 65,4 % der 29 bis 39-Jährigen mehr Unterstützung ihres Arbeitgebenden bei Themen rund um Finanzen wünschen.

Quelle: Aon Repräsentative Aon Studie 2019 Orientierungs- und Entscheidungshilfen

Altersgerechtes Informationsangebot

Zusätzlich zum Wunsch der finanziellen Unterstützung ist besonders der Informationsbedarf der Mitarbeitenden hoch. Die Informationsflut rund um das Thema Rente und Vorsorge sowie die Unkenntnis über eigene Möglichkeiten und Herangehensweisen, können sich negativ auf die emotionale Gefühlslage der Beschäftigten auswirken. Bei einer Studie von Deloitte aus dem Jahr 2020 kam heraus, dass sich mehr als die Hälfte der beschäftigten Personen nicht ausreichend informiert fühlen zum Thema Vorsorge und spezielle die innerhalb der Unternehmen. Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen würde sich über ausführliche Broschüren und persönliche Beratungsgespräche freuen. Informative Hilfestellungen vom Unternehmen werden von den meisten Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen als wichtig erachtet. Dabei müssen die Unternehmen den Berufstätigen dem Alter entsprechend Unterstützung leisten. Bei einer berufseinsteigenden Person sollten beispielsweise eher langfristige Vorsorgemaßnahmen besprochen werden, wohingegen älteren Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen tendenziell vermehrt emotionale Unterstützung angeboten werden sollte.

Die betriebliche Altersvorsorge

Die offene Kommunikation der Unterstützung ist wichtig. Eine Studie von Deloitte brachte hervor, dass verstärkt zu beobachten ist, dass mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bei einem Jobwechsel auf die Möglichkeit einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV) beim Unternehmen achten. Jedoch bieten immer noch 30 % der Unternehmen diese Art der Vorsorge nicht an. Diese Studie zeigt klar auf, dass es den Berufstätigen wichtig ist, sich mit dem Beistand des Unternehmens gemeinsam um eine zusätzliche finanzielle Absicherung zu kümmern.
Die bAV ist nur eine Möglichkeit der Unterstützung. Beschäftigen Personen werden anfallende Aufgaben abgenommen. Den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen werden die einzuzahlenden Beiträge vom Bruttogehalt abgezogen, sodass nur das übrige Gehalt versteuert wird. Das Unternehmen kann diesen Betrag als Betriebsausgaben abrechnen (Steuervorteil) und gleichzeitig seine Beschäftigten indirekt finanziell unterstützen. Die betriebliche Altersvorsorge stellt ein Benefit für die Unternehmen dar. Den beschäftigten Personen wird die finanzielle Sorge genommen und durch die Wertschätzung, Zufriedenheit und Unterstützung die Bindung zum Unternehmen gestärkt.

Es ist relevant auf die Fragen der Mitarbeitenden rund um Finanzen eingehen und potenzielle Möglichkeiten für die Zukunft aufzeigen

Interne und externe Unterstützung kommunizieren

Arbeitgebende sollten das Thema nicht nur intern als relevant erachten, denn auch auf die Außenwahrnehmung hat die Unterstützung der Mitarbeitenden einen großen Einfluss. Daher sollte sowohl intern, als auch extern das Thema verstärkt aktiv angegangen und offen kommuniziert werden. Unternehmen sollten repräsentieren, dass sie Berufstätige bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bei Finanzthemen (Finanzen, Vorsorge und Absicherung) oder auch generell beim Wellbeing am Arbeitsplatz entlasten. Zeigen die Unternehmen keinen Beistand oder kommunizieren es nicht offen nach außen, können diese schnell als unattraktive Unternehmen wahrgenommen werden.

Handlungsempfehlung für Unternehmen 

Unternehmen sollten im momentanen Wandel nicht nur nach der Optimierung der Arbeitsbedingungen, sei es der Ort, die Zeitmodelle oder Wellbeing am Arbeitsplatz, streben. Sondern sollten vermehrt im Bereich Financial-Wellbeing Unterstützung anbieten. Dadurch gehen sie zunächst auf die Wünsche der bestehenden Mitarbeitenden ein. Gleichzeitig beeinflussen Unternehmen damit ihre Außendarstellung auf dem Arbeitsmarkt für potenzielle neue Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Denn die Zufriedenheit der Beschäftigten wird unweigerlich nach außen getragen und kann dadurch als Werbeträger agieren, um neue Mitarbeitende anzuziehen.
Mit Blick auf die Zukunft müssen Unternehmen weiterhin an der Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie arbeiten und sich zusätzlich dem Thema Finanzen zuwenden. Informationen und Angebote zum Thema Rente und Altersvorsorge haben in Zeiten des demografischen Wandels einen besonderen Stellenwert. Die beschäftigten Personen befassen sich mit zunehmendem Alter vermehrt mit ihrer finanziellen Lage im Ruhestand und sind von der Informationsflut zum Thema Ruhestand und Vorsorge überfordert. Laut „Totalrewards“ stellt diese Überforderung und Ungewissheit für viele einen enormen Stressfaktor dar. Der Stress stellt für die Mitarbeitenden langfristig ein großes Gesundheitsrisiko dar, wodurch sich automatisch die Leistungsfähigkeit verringert und sich auf die Produktivität des Unternehmens auswirkt. Die Unternehmen sollten daher dem Wunsch der Informationsunterstützung nachgehen, sodass sie präventiv gegen aufkommenden Stress und Sorgen vorsorgen können. Diesem kann beispielsweise durch Angebote zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wie auch den Themen Finanzen und Recht Folge geleistet werden. Entspannte Mitarbeitende arbeiten fokussierter sowie produktiver und bringen dem Unternehmen dadurch einen größeren Benefit.

Unternehmen können zudem eine Bindung zu ihren Mitarbeitenden aufbauen, in dem sie auf die als relevant erachteten Themen eingehen. Werte wie Fürsorge, Wohlergehen der Mitarbeitenden und Wertschätzung werden in der Arbeitskultur integriert oder auch stärker gelebt. Der Gewinn für Unternehmen sind die sorglosen, glücklichen und zufriedenen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die sich wertgeschätzt und wohlfühlen. Eine Kooperation zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden kann eine langjährige Partnerschaft mit sich bringen. Hoch qualifizierte Mitarbeitende mit wertvollem Fachwissen bleiben dem Unternehmen erhalten und bieten somit einen langfristigen Mehrwert. Auch können Unternehmen in Bezug auf das Thema Rente den wertvollen beschäftigten Personen durch beispielsweise eine bedingte Weiterbeschäftigung den Übergang in die Rente erleichtern und sie dadurch weiterhin an das Unternehmen binden.

Die richtige Unterstützung macht Ihre Mitarbeitenden glücklich und entlastet sie von deren potenziellen Sorgen

Unterstützung der Renten-Vorbereitung bei voiio

Bei voiio bieten wir den Mitarbeitenden unserer Partnerunternehmen ein vielfältiges Portfolio an virtuellen Kursen, Webinaren und Events sowie einen wöchentlichen „Expertenrat“ rund um Themen zu Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben an. Dabei übernimmt voiio als Partner der Unternehmen die Aufgabe, den Mitarbeitenden gewünschte Informationen zu liefern und Hilfestellung zu bieten. Dadurch generieren Arbeitgebende einen großen Mehrwert und können mit unserer Hilfe Unterstützung in den von ihren Mitarbeitenden benötigten Lebenslagen und Lebensphasen bieten. Unternehmen können ihren Beschäftigten sowohl die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie, Wellbeing im Home-Office, als auch „Financial-Wellbeing“ ermöglichen.
Bezugnehmend auf das Thema Rente und Vorsorge unterstützt voiio ihre Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen beim Weg in die Rente, sei es bei der eigenen Vorsorgeplanung oder bei der eines Familienangehörigen. Sie haben die Auswahl aus hunderten von Angeboten zur optimalen Vorbereitung auf den Ruhestand und der Planung des neuen Alltags.
Unter anderem bietet voiio folgende Kurse an:
Beratung zu unterschiedlichen Rententhemen
Allgemeine Rentenberatung
Vorbereitung auf ein Pflegegutachten
Expertenrat mit Alexandra Evers – Psychologin, systematische Therapeutin und Entspannungscoach

Verwendete Quellen, Artikel und Studien zum Weiterlesen:

AON (2020): Pressemitteilung Mitarbeiter wollen mehr Durchblick beim Thema Rente – Arbeitgeber in der Pflicht

Statistisches Bundesamt (2020): Pressemitteilung Nr. 436 vom 2. November 2020

Deloitte (2020): Entwicklungen und Trends in der bAV

Total Rewards (2017): Financial Wellness und betriebliches Gesundheitsmanagement