HR-Wissen

Presserückblick Februar 2020 zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie

2. März 2020

Auch diesen Monat fasst der voiio-Presserückblick wieder die spannendsten Artikel und Studien zum Thema Familienfreundlichkeit in deutschen Unternehmen zusammen. Dieses Mal werden insbesondere die mittelständischen Unternehmen unter die Lupe genommen.

Einer neuen Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge, wird von den deutschen Arbeitnehmenden immer mehr erwartet, sowohl in der Qualität als auch in der Quantität. Das liegt zumeist daran, dass es für den steigenden Arbeitsumfang verhältnismäßig viel zu wenig Personal gibt. Und somit steigt auch der Zeit- und Leistungsdruck, der auf den Arbeitnehmenden lastet und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den betroffenen Unternehmen leidet darunter.
Diese Entwicklungen widersprechen dem bis zuletzt wahrnehmbaren positiven Trend, der impliziert, dass immer mehr Unternehmen auf Familienfreundlichkeit setzen. Und das obwohl die Vereinbarkeit von Beruf und Familie selbstverständlich nicht weniger wichtig geworden ist. Dass dem so ist, unterstrich auch Familienministerin Giffey zuletzt bei einem Besuch des Medizintechnikherstellers Cortronik wieder. Wer wettbewerbsfähig bleiben, weiterwachsen und gute Mitarbeiter haben möchte, der müsse dafür etwas tun. Denn ohne eine gute Familienpolitik innerhalb der Unternehmen würde man sich im Wettbewerb um Fachkräfte nicht mehr behaupten können.

Vereinbarkeitspolitik ist auch in mittelständischen Unternehmen ein Thema.

Dass diese Botschaft schon viele Personalabteilungen aufgefasst haben, zeigt sich in einer zuletzt veröffentlichten Studie der KFW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Diese befasst sich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den mittelständischen Unternehmen Deutschlands und hält fest, dass bereits fast zwei von drei Mittelständlern konkrete Maßnahmen in diesem Bereich umgesetzt haben.

Home-Office – Die Lieblingsmaßnahme.

Eine der gängigsten Maßnahmen ist hierbei den Mitarbeitenden zu ermöglichen, von zuhause aus zu arbeiten. In nur sehr wenigen Fällen (ca. 6% der befragten Unternehmen) dagegen werden Kinderbetreuungen angeboten. Auch wenn es noch viele weitere Bereiche gibt, in denen die Familienfreundlichkeit von mittelständischen Unternehmen verbessert werden kann, sind die Personalabteilungen der Unternehmen, die schon erste Maßnahmen ergriffen haben, jetzt schon überzeugt, dass die Umsetzung einer verbesserten Vereinbarkeit von Beruf und Familie positive Auswirkungen auf die Gewinnung und langfristige Bindung von Personal hat. Auch im Hinblick auf die Produktivität und die Arbeitszufriedenheit seien positive Effekte feststellbar.

Die neue Studie der KFW zeigt, dass der Trend der Familienfreundlichkeit im deutschen Mittelstand angekommen. Angebote zur Kinderbetreuung bieten jedoch sehr wenige Unternehmen an.
Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland setzen vor allem auf flexible Arbeitszeiten (Quelle: KFW-Mittelstandspanel 2018).

Vereinbarkeit ist branchenabhängig.

Die Handwerksbranche behält allerdings in diesem Thema das Nachsehen. Denn in den Berufen, die in diese Branche fallen, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus vielerlei Gründen eine besondere Herausforderung. Aufgrund des Fachkräftemangels ist das Arbeitspensum hier überdurchschnittlich groß. Mitarbeitende kleinerer Unternehmen trauen sich selbst bei Bedarf kaum nach längeren Elternzeiten zu fragen. Überhaupt sind genommene Elternzeiten in der Branche noch eine Seltenheit.
Aber Elternzeit ist das eine, denn sie wird vom Staat vorgegeben und ist deswegen wohl kaum als wirklich familienfreundliche Maßnahme aus Unternehmenssicht zu betiteln. Wenn es dagegen um Maßnahmen wie Home-Office oder flexiblere Arbeitszeiten geht, dann scheinen diese aus Sicht der meisten Führungskräfte handwerklicher Betriebe schlichtweg unvorstellbar. Dies macht der Titel des Artikels „Der Metzger kann nicht zuhause schlachten“ aus der Westdeutschen Zeitung besonders deutlich. Die meisten handwerklichen Tätigkeiten können einfach nicht von zuhause aus ausgeübt werden und müssen zumeist arbeitszeittechnisch an die Terminvorstellungen der Kunden angepasst werden.

Die Handwerksbranche steht bezüglich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor besonderen Herausforderungen. Hier müssen andere Maßnahmen ergriffen werden als flexible Arbeitszeiten oder Home Office.
Maßnahmen wie Home-Office und flexible Arbeitszeiten sind in der Handwerksbranche oft nicht umsetzbar.

Home-Office allein reicht nicht!

Die Frage, ob Home-Office von den Mitarbeitenden überhaupt so positiv aufgenommen wird, wie es von vielen immer angepriesen wird, hat zuletzt eine weitere Studie der Hans-Böckler-Stiftung überprüft. Grundsätzlich gilt, wer die Möglichkeit hat, einen Teil der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen, ist zufriedener. 52 Prozent der befragten Arbeitnehmenden, die aktuell die Möglichkeit besitzen, geben an, dass sich dadurch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert hätte, wobei auf der Gegenseite wiederum auch 50 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass sie zur selben Zeit dazu führe, die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen zu lassen.
Insgesamt hängt das allgemeine Meinungsbild über Home-Office aber sowieso deutlich von den Rahmenbedingungen im Betrieb ab. So bewertet die Mehrheit der Arbeitnehmenden die Maßnahme nur positiv, wenn auch Führungskräfte Familienfreundlichkeit vorleben, eine allgemeine Gleichstellung zwischen Voll- und Teilzeitkräften sowie zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeitenden herrscht.

Andere Familienfreundliche Maßnahmen, bitte.

Es macht ohnehin den Anschein, dass Home-Office von vielen Unternehmen als einzig möglicher Schritt hin zur Familienfreundlichkeit wahrgenommen wird. Dass es jedoch noch viele weitere Maßnahmen gibt, hat im letzten Monat ein Online-Magazin der Impulse Medien GmbH verdeutlicht.  
Er führt verschiedene Ideen auf, die für eine verbesserte Vereinbarkeitspolitik innerhalb der Unternehmen sorgen können und macht erneut deutlich, wie wichtig es ist, insbesondere die Führungskräfte für dieses Thema zu sensibilisieren. Sie müssen ihre Vorbildfunktion nutzen, um ihre Mitarbeitenden dazu zu animieren, die gebotenen Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wirklich in Anspruch zu nehmen. So ist es außerdem wichtig die Mitarbeitenden zu ermutigen, Wünsche und Anregungen auszusprechen, sodass gemeinsam an Vereinbarkeitspolitik entsprechend der bestehenden Bedürfnisse gearbeitet werden kann.

Einmal kurz zusammengefasst

Aufgrund der immer größer werdenden Erwartungen, die an die deutschen Arbeitnehmenden gestellt werden, wird auch das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer wichtiger. Darauf reagieren auch die mittelständischen Unternehmen Deutschlands. Sie setzen vor allem auf flexible Arbeitszeiten. Die Handwerksbranche kann solche Maßnahmen jedoch oft nicht durchsetzen. Hier müssen andere Maßnahmen ergriffen werden, die den dortigen Bedürfnissen besser entsprechen.
Grundsätzlich gilt es branchenübergreifend kreativer bezüglich der familienfreundlichen Maßnahmen zu werden, um sich im Arbeitsmarkt gegenüber dem Wettbewerb abheben zu können.

Die einzelnen Studien und Artikel sind hier zu finden:

Die Arbeitstage werden dichter und dichter
Ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den steigen Zeit- und Leistungsdruck in deutschen Unternehmen.

Giffey in Förderschule und familienfreundlichen Unternehmen
Warum Familienfrundlichkeit aus Giffey Sicht so wichtig ist, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Mittelständler setzen im Wettbewerb um Fachkräfte auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen
Die Studie der KFW gibt konkrete Zahlen zu der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in mittelständischen Unternehmen wieder.

Der Metzger kann nicht zu Hause schlachten.
Ein Artikel der Westdeutschen Zeitung darüber, warum Familienfreundlichkeit der Handwerksbranche so schwer fällt.

Bessere Vereinbarkeit durch Homeoffice? – Nur, wenn Arbeitgeber und Vorgesetzte die richtigen Voraussetzungen schaffen.
Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung rund um das Thema Home-Office.

13 Ideen, wie Ihr Betrieb familienfreundlicher wird
In einem Online-Magazinbeitrag gibt die Impulse Medien GmbH Tipps für eine bessere Familienfreundlichkeit in Unternehmen.

 

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